| |
Die Baskische Revolution - Erstes Buch Text: Thomas Ruhl
Kapitel I: Krieg und Frieden
Er wollte den faschistischen Zentralstaat, jede eigenständige, regionale Kultur wurde brutal niedergestampft. So verbot “El Caudillo“ – der Führer –, der spanische Diktator Francisco Franco, nach seiner Machtergreifung die baskische Sprache. Dieser hatte man im Zuge eines aufkeimenden Nationalbewusstseins Anfang des letzten Jahrhunderts gar eine Akademie gewidmet. Diese Unterdrückung war neben dem Protest gegen Zuwanderung und Angst vor Überfremdung eine der Hauptursachen für die Radikalisierung der baskischen nationalistischen Bewegung und führte 1959 zur Gründung der Euskadi Ta Askatasuna, kurz ETA (baskisch für: Baskenland und Freiheit). Bereits ein Jahr darauf folgte der erste der ETA zugeschriebene Anschlag mit Todesfolge; 822 Tote folgten. Das Baskenland war für General Franco schicksalhaft. Im baskischen Ort Eibor wurde 1931 die Zweite Spanische Republik ausgerufen, eine neue demokratische Staatsform. Rechte Militärs putschten, was schließlich im Spanischen Bürgerkrieg endete. An der Seite der spanischen Rechten: die deutschen Nationalsozialisten. Eine derer Gräueltaten machte Pablo Picasso in einem monumentalen Gemälde unvergessen. Der Angriff der Bomberstaffel “Legion Condor“ auf die baskische Stadt Guernica. Die unerbittliche Vorgehensweise Francos gegen die Aufständischen spülten ihn schließlich an die Spitze der Armee und des Staates. Erst 1975 endete die Regentschaft des Generalissimo mit seinem Tod. Mit der folgenden Demokratisierung des Landes kehrten die autonomen Rechte des Baskenlandes – Euskal Herria oder Euskadi – zurück. Die spanischen, pardon baskischen Provinzen Araba, Bizkaia und Gipuzkoa bilden autonome Gemeinschaften. Kulturell ist das Baskenland jedoch weitaus größer. Auch in Navarra und dem angrenzenden Frankreich stößt man auf die baskische Kultur, deren erste Signale durch den alpin anmutenden Fachwerkbaustil und die Zweisprachigkeit der Beschilderung gesetzt werden. Ja, auch die baskische Sprache ist zurück; gut 700.000 Menschen halten sie lebendig. Für einige von ihnen ist sie die einzige Sprache: Español? – No comprende! Fremdartig klingt sie. Das verwundert nicht, denn sie ist solitär, mit keiner anderen Sprache verwandt. Als einzige in West-Europa entstammt sie nicht der indogermanischen Familie. Zersplittert in zahlreiche Dialekte ist sie wohl ein Relikt aus alteuropäischer Zeit. (mehr...)
 |